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Säuglingsbehandlung

• Tonusasymmetrie
• Schräglagedeformität
• sog. „Kiss-Syndrom“
• Schreibabys
• 3-Monatskolik
• Enwicklungsverzögerung
• Säuglingsskoliose
• Plagiozephalie

Warum sich rund 10% aller Säuglinge asymmetrisch entwickeln (Tonusasymmetrie, Schräglagedeformität, Schreibabys, 3-Monatskolik, Entwicklungsverzögerung, Plagiozephalie etc.), weiß niemand wirklich. Am Geburtsvorgang liegt es jedenfalls nicht. Kinder, die durch Kaiserschnitt auf die Welt kamen, sind sogar häufiger betroffen als Kinder, die auf natürlichem Wege geboren wurden.


Die Säuglinge halten den Kopf und die Wirbelsäule schief und wollen diese Position nur ungern  verlassen. Manche haben die Neigung, sich ständig zu überstrecken, indem sie den Kopf in den Nacken nehmen und in dieser Position verharren. Häufig geht die Tonusasymmetrie mit einer Verarmung der Bewegungen und damit einer Verzögerung der Entwicklung einher.


Viele dieser Säuglinge leiden ganz offensichtlich unter Schmerzen, wenn man eine andere Lage als die Vorzugshaltung erzwingt. Andere akzeptieren eine andere Lagerung für kurze Zeit, haben aber die Tendenz, ihre Vorzugshaltung bei nächster Gelegenheit wieder einzunehmen. Die meisten der betroffenen Säuglinge akzeptieren die Bauchlage nicht.


Manchmal gibt es Schwierigkeiten beim Stillen, denn die Säuglinge akzeptieren die Drehung ihres Kopfes in die nicht bevorzugte Richtung nicht, so dass sie eine Brust nicht annehmen wollen.


Ein besonderes Problem stellen die sogenannten Schreibabies dar, die unvermittelt heftig weinen, ohne dass sie Hunger haben oder nass sind. Die Schreiattacken können stundenlang dauern und rauben sowohl den Säuglingen als auch deren Familien den Schlaf. Die Mütter machen sich zu Recht Sorgen, weil sie den Eindruck haben, dass es ihrem Kind nicht gut ginge. Das ist auch der Fall, denn der Säugling findet ganz offensichtlich keine Position, in der er sich für den Schlaf entspannen kann. Man darf davon ausgehen, dass diese Kinder Schmerzen haben, die dem des Kreuz- oder Nackenschmerzes der Erwachsenen ähnlich sind.


Rund 4/5 aller Säuglinge halten den Kopf nach links gedreht und nach rechts geneigt. Bei dem anderen 1/5 ist es umgekehrt. Warum das so ist, weiß man nicht. Das lange Liegen des Kopfes auf einer Seite führt zuerst zu einem asymmetrischen Abrieb der Haare und schließlich zur einseitigen Abflachung der Schädelknochen.


Häufig wird den Müttern für das Verhalten ihrer Säuglinge die Schuld gegeben, weil sie sie nicht richtig behandelten, zu unerfahren, überbesorgt oder gar hysterisch seien. Das ist Unfug. Ein Säugling hat keine einseitigen Verspannungen seiner Muskulatur, weil seine Mutter sich zu sehr Sorgen um sein Wohlergehen macht.


Zu Grunde liegen Störungen der Bewegungsfähigkeit des Säuglings. Es ist nicht klar, ob es sich dabei um Störungen der Gelenke der Wirbelsäule selbst, besonders des 1. Halswirbels handelt, oder ob diese Gelenke durch die Muskulatur in der asymmetrischen Stellung gehalten werden. Dann handelte es sich um eine Störung der Steuerung der Muskulatur durch das zentrale Nervensystem, wie sie von den schmerzhaften Verspannungen der Wirbelsäule allgemein bekannt sind. Die Wirbelsäulengelenke sind mindestens so häufig Opfer einer Fehlsteuerung der Muskulatur als Auslöser der Störung.


Die äußeren Anzeichen der Tonusasymmetrie des Säuglings verschwinden in den meisten Fällen spontan innerhalb 6- 8 Wochen. Bei manchen Säuglingen aber dauert der Zustand mehrere Monate. Häufig wird das Phänomen als harmlos angesehen, weil es ja spontan wieder verschwindet und als einzige Maßnahme das Abwarten propagiert. Andererseits aber wird bei den häufigen Entwicklungsverzögerungen eine nicht selten langwierige Physiotherapie verordnet. Es muss aber bedacht werden, dass die Tonusasymmetrie nicht ganz so harmlos ist, denn nach internationalen Untersuchungen sind Kinder, die unter Migräne leiden, Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliosen) entwickeln, bei der Einschulung feinmotorisch ungeschickt sind und schulische Teilleistungsstörungen (z. B. Lese-und Rechtschreibschwäche) entwickeln, überzufällig häufig ehemals asymmetrische Säuglinge. Man könnte also meinen, dass sich die Asymmetrie zwar augenscheinlich gibt, im Verborgenen aber weiter wirkt und zu vielfältigen Störungen führen kann.


Säuglinge, die im Rahmen ihrer Asymmetrie Unwohlsein ausdrücken oder gar Schreibabies sind, müssen ebenso behandelt werden wie Erwachsene, die unter Schmerzen leiden! Die Asymmetrie an sich muss behoben werden, weil sie nicht selten unangenehme Spätfolgen hat.


4/5 der betroffenen Säuglinge haben als herausragendes Zeichen eine Störung der Beweglichkeit des Atlas. Bei dem anderen 1/5 ist die Beweglichkeit des Atlas aber frei, obwohl das Kind genauso asymmetrisch ist. Allen betroffenen Säuglingen aber ist die Störung der Beweglichkeit der Beckengelenke (Ileosakralgelenke) gemein. Dies kann als Ausdruck der Tatsache gewertet werden, dass die gesamte Muskulatur betroffen ist und eben nicht nur die Muskeln der Halswirbelsäule oder gar nur die Gelenke des Atlas mit dem Schädel.


In der Ambulanz für Manuelle Medizin werden die Säuglinge zuerst darauf untersucht, ob sie Störungen ihrer Entwicklung zeigen. Danach wird geprüft, wie sich die Tonusasymmetrie auf die oberen Gelenke der Wirbelsäule, aber auch die anderen Gelenke der Wirbelsäule einschließlich der Rippengelenke und die Mechanik des Beckens auswirkt. Danach wird je nach Befund mit ganz besonders schonenden Behandlungstechniken aus dem Bereich der Manuelle Medizin, der Atlastherapie nach Arlen und Techniken des myofaszialen Lösens (eine Technik aus dem Bereich der osteopathischen Medizin) die gestörte Beweglichkeit von Muskeln und Gelenken wiederhergestellt. Dabei wird fast ausschließlich mit den Fingerspitzen gearbeitet. Die Behandlung ist absolut schmerzfrei. Unerwünschte Wirkungen sind in den letzten 20 Jahren bis heute nicht aufgetreten.


1/3 der Säuglinge wird ein Mal behandelt und symmetrisiert sich in den folgenden Tagen, ein weiteres 1/3 muss nach Ablauf von etwa zwei Wochen zum zweiten Mal behandelt werden. Bei dem übrigen 1/3 der Kinder muss der Arzt ganz besonders kritisch sein und seine Untersuchungsergebnisse und Behandlungstechniken überprüfen, bevor er sich dazu entschließt, die Tonusasymmetrie als außerordentlich hartnäckig anzusehen, um zum dritten Mal zu behandeln. Zur Überprüfung der Befunde gehört dann auch die Herstellung eines Röntgenbildes der Halswirbelsäule.


Die kritische Untersuchung und Überprüfung von Anfang an ist deshalb nötig, weil sich besonders bei recht jungen Säuglingen eine ganze Reihe ernster Störungen und Erkrankungen anfänglich hinter einer Tonusasymmetrie verbirgt.


Die von uns so bezeichnete Tonusasymmetrie der Säuglinge (von anderen Ärzten auch Schräglagedeformität, KISS-Syndrom etc. genannt) wird in der Wissenschaft in ihrer Bedeutung und Tragweite nicht einheitlich beurteilt. Das gilt auch für die hier beschriebene  Therapie dieser Symptome.

Ambulanz für Manuelle Medizin - Zentrum für Bewegungsstörungen
Thürachstraße 10 - D-79189 Bad Krozingen
Tel: +49 (0) 7633-408-836, Fax: +49 (0) 7633-408-842,